Neugeborene vor Covid-19 und Infektionen schützen: Wichtige Schutzmaßnahmen für die erste Zeit

Das Immunsystem von Neugeborenen befindet sich in den ersten Lebenswochen noch im Aufbau und ist biologisch gesehen unvollständig entwickelt. Zwar übertragen Mütter über die Plazenta und die Muttermilch wertvolle Antikörper (Nestschutz), wie stark dieser Schutz jedoch speziell gegen das Coronavirus (Covid-19) wirkt, ist von Baby zu Baby unterschiedlich. Aus diesem Grund erfordert das Immunsystem eines Säuglings in den ersten 28 Lebenstagen – der sogenannten Neugeborenenperiode – ganz besondere Aufmerksamkeit und strenge Hygienemaßnahmen, um sowohl das Baby als auch die frischgebackene Mutter im Wochenbett zu schützen.

Prof. Dr. Güler Cimete, Leiterin der Abteilung für Hebammenwissenschaften an der Üsküdar-Universität, hebt die kritische Bedeutung dieser ersten Phase hervor und erklärt, welche präventiven Maßnahmen Familien jetzt ergreifen sollten.


Höchste Vorsicht bei Frühgeborenen und Risikobabys

Die ersten vier Wochen nach der Geburt sind für jeden Säugling eine fundamentale Phase der Anpassung an die Welt außerhalb des Mutterleibs. Während die Organe anatomisch bereit sind, zeigen sich funktionell oft noch klare Grenzen. Ein besonders hohes Risiko für Infektionen tragen:

  • Frühgeborene (Preterms): Babys, die vor der 37. Schwangerschaftswoche das Licht der Welt erblicken.
  • Mangelgeborene: Säuglinge mit einem sehr geringen Geburtsgewicht.
  • Kinder von Müttern mit Schwangerschaftsdiabetes.
  • Babys mit angeborenen Fehlbildungen oder bereits bestehenden gesundheitlichen Einschränkungen.

Diese sensiblen Risikogruppen benötigen eine extrem lückenlose, sterile und liebevolle Pflege.


Warum Neugeborene so anfällig für Infektionen sind

Die größte Gefahr für die Gesundheit eines Babys geht in den ersten Wochen von Krankheitserregern aus der Umwelt aus. Da das Immunsystem noch ungeübt ist, können Erreger theoretisch bereits im Mutterleib, während des Geburtsvorgangs oder direkt nach der Entbindung übertragen werden.

Einfache Verhaltensregeln für den Alltag:

  • Kontakte minimieren: Das Baby sollte in den ersten Wochen so wenigen Menschen wie möglich direkt ausgesetzt werden.
  • Sorgfältige Pflege: Die Reinigung von Augen, Nabel, Mund und Nase muss unter strengen hygienischen Bedingungen erfolgen.
  • Händewaschen: Vor jeder Berührung des Kindes müssen die Hände gründlich desinfiziert oder mit Seife gewaschen werden.
  • Mütterliche Hygiene: Die frischgebackene Mutter sollte täglich duschen und frische, atmungsaktive Kleidung tragen.
  • Regelmäßiges Lüften: Das Babyzimmer sollte alle zwei bis drei Stunden stoßgelüftet werden, um die Keimlast in der Raumluft zu minimieren.

Hinweis zur Geburt: Da eine Übertragung des Coronavirus über mütterliche Ausscheidungen (wie Urin oder Stuhl) bei der Entbindung nicht vollständig ausgeschlossen werden kann, wird empfohlen, das Neugeborene unmittelbar nach der Geburt sanft abzuwischen oder behutsam zu waschen.


Schutzmaßnahmen im Kreißsaal bei Covid-19-Verdacht

„Eine Infektion von Säuglingen mit dem Coronavirus geschieht fast ausnahmslos nach der Geburt, wenn am Übergang ins Familienleben die nötigen Vorsichtsmaßnahmen vernachlässigt werden“, betont Prof. Dr. Güler Cimete. Liegt bei der werdenden Mutter eine nachgewiesene Infektion oder ein dringender Verdacht vor, greifen im Krankenhaus strenge Protokolle:

  • Die Entbindung sollte in speziellen Isolationszimmern mit Unterdruck stattfinden.
  • Die Nabelschnur wird zügig abgeklemmt und durchtrennt.
  • Das Baby wird zeitnah in einem geschützten Inkubator (Brutkasten) untergebracht.
  • Das medizinische Personal trägt während des gesamten Prozesses lückenlose Schutzkleidung inklusive FFP2-/N95-Masken.
  • Auch die gebärende Mutter trägt, sofern gesundheitlich möglich, während der Wehen einen Mund-Nasen-Schutz.

Stillen bei Corona: Sicherer Umgang mit Muttermilch

In der Muttermilch selbst konnte das Covid-19-Virus in wissenschaftlichen Untersuchungen bislang nicht nachgewiesen werden. Das Risiko einer Übertragung besteht während des Stillens vielmehr durch Tröpfcheninfektion (beim Atmen und Sprechen) sowie durch direkten Hautkontakt zwischen der infizierten Mutter und dem Kind.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) befürwortet das Stillen auch bei einer Infektion ausdrücklich, sofern die Hygienestandards eingehalten werden. Die Deutsche Gesellschaft für Neonatologie empfiehlt eine individuelle Abwägung im Kreis der Familie.

  • Direktes Stillen: Eine positiv getestete Mutter kann ihr Kind stillen, wenn sie dabei konsequent eine medizinische Maske trägt, sich vorab gründlich die Hände wäscht und den Brustbereich reinigt.
  • Abpumpen als Alternative: Sollte eine vorübergehende räumliche Trennung nötig sein, kann die Muttermilch unter strenger Sterilität der Milchpumpe abgepumpt werden. Eine gesunde, geschützte Bezugsperson kann das Baby dann per Flasche oder Löffel füttern.

Besuchsstopp im Wochenbett: Keine Gäste zu Hause

Die größte Ansteckungsgefahr für Neugeborene geht vom sozialen Umfeld aus. Daher gilt die goldene Regel: Kein Besuch in den ersten Wochen.

Sollte die Mutter im Haushalt oder bei der Pflege Unterstützung benötigen, sollte diese Hilfe von einer festen Person kommen, die kaum Außenkontakte hat, symptomfrei ist und idealerweise einen negativen PCR-Test vorweisen kann. Das Babybett sollte im Zimmer der Eltern stehen. Zu diesem Raum sollten Außenstehende absolut keinen Zutritt haben.

Wichtig für die Bindung: Trotz aller Vorsicht dürfen das emotionale Bonding, intensiver Blickkontakt, sanfter Haut-zu-Haut-Kontakt (Känguru-Methode) und das Vorsingen von Schlafliedern nicht zu kurz kommen. Diese Interaktionen lassen sich wunderbar und sicher während des Stillens oder Fütterns unter Einhaltung der Maskenpflicht umsetzen.

Einschränkungen für den Vater

Arbeitet der Vater außerhalb des Hauses oder hat regelmäßigen Außenkontakt, sollte auch sein direkter physischer Kontakt zum Neugeborenen in den ersten sensiblen Wochen vorübergehend bewusst eingeschränkt oder durch das Tragen einer Maske im Haus abgesichert werden.


Wie äußern sich Corona-Symptome bei Babys?

Sollte sich ein Neugeborenes infizieren, verläuft die Erkrankung in den allermeisten Fällen glücklicherweise mild bis moderat. Schwere Verläufe, die eine künstliche Beatmung erfordern, sind extrem selten und betreffen fast ausschließlich Frühgeborene oder Babys mit schweren Vorerkrankungen.

Auf diese Symptome müssen Eltern achten:

  • Schwankungen der Körpertemperatur (Untertemperatur oder Fieber)
  • Erhöhter Puls und beschleunigte Atmung (Atemnot)
  • Verstopfte Nase oder laufende Nase
  • Keuchender Atem, Husten oder hörbares Giemen (Rasseln)
  • Sichtbare Atemanstrengung (Auseinanderweichen der Nasenflügel beim Atmen)
  • Atemaussetzer (Apnoen) oder bläuliche Verfärbungen der Lippen (Zyanose)
  • Magen-Darm-Beschwerden wie Erbrechen, Durchfall und ein geblähter Bauch

Sollten diese Anzeichen auftreten, muss umgehend ein erfahrener Kinderarzt oder Neonatologe kontaktiert werden.

Wichtiger Hinweis für Pflegekräfte und Eltern: Da infizierte Babys das Virus über den Speichel, Nasensekret und den Stuhl ausscheiden können, müssen Bezugspersonen beim Wickeln und Reinigen des Kindes konsequent auf die eigene Händehygiene achten, um eine Schmierinfektion zu vermeiden.

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