Neugeborene im Sommer richtig pflegen: Wichtige Tipps für heiße Tage

Die Pflege eines Neugeborenen erfordert unabhängig von der Jahreszeit grundlegende Routineabläufe wie die richtige Ernährung, Hygiene, Schlaf und den Schutz vor äußeren Einflüssen. Wenn die Temperaturen jedoch extreme Werte erreichen, müssen Eltern und Pflegepersonen besonders aufmerksam sein.

Doç. Dr. Ece Göçmen, Spezialistin für Neonatologie (Neugeborenenmedizin) in der Abteilung für Pädiatrie des Bayındır Söğütözü Krankenhauses, teilt im Folgenden essenzielle Richtlinien für die sichere Babypflege in den Sommermonaten.


1. Flüssigkeitsbedarf: Häufigeres Stillen an heißen Tagen

Die Haut von Neugeborenen besitzt im Vergleich zu älteren Babys weniger Feuchtigkeit, weshalb der Flüssigkeitsverlust über die Hautoberfläche deutlich höher ist. An heißen Sommertagen steigt der Flüssigkeitsbedarf von Säuglingen stark an.

  • Ausschließliches Stillen: Neugeborene decken ihren gesamten Nährstoff- und Flüssigkeitsbedarf (einschließlich Wasser) über die Muttermilch ab. Es ist völlig normal, dass Babys im Sommer häufiger gestillt werden möchten. Bei vollgestillten Säuglingen ist keine zusätzliche Gabe von Wasser notwendig.
  • Gabe von Babynahrung (Pre-Milch): Wenn das Baby aus medizinischen Gründen zu mehr als 50 % mit Säuglingsnahrung gefüttert wird, kann an extrem heißen Tagen zusätzlich Wasser angeboten werden. Verwenden Sie hierzu abgekochtes, auf Raumtemperatur abgekühltes Wasser und bieten Sie es mit einem Löffel an. Ein durstiges Baby wird das Wasser dankend annehmen und genau so viel trinken, wie es benötigt.

2. Die richtige Kleidung: Luftig und leicht

Im Sommer reicht tagsüber eine einzige Schicht aus – ein leichter, kurzärmeliger Body aus feiner Baumwolle ist ideal. Sobald es in den Abendstunden abkühlt, kann auf eine einlagige, aber langärmelige Kleidung (Langarmbody und leichte Hose) gewechselt werden.

Material-Check: Achten Sie darauf, dass die Kleidung zu 100 % aus Baumwolle besteht, atmungsaktiv, weit geschnitten, leicht, hell und frei von chemischen Farbstoffen ist.

Während des Schlafs kann das Baby mit einem dünnen Baumwoll- oder Mulltuch (Muslin) zugedeckt werden, sodass es nicht schwitzt. Kontrollieren Sie im Schlaf regelmäßig den Nacken- und Brustbereich des Kindes: Fühlt sich dieser verschwitzt oder heiß an, sollte die Kleidung umgehend angepasst werden.


3. Hitzepocken (Miliaria) beim Baby: Was ist zu tun?

Hitzepocken (auch bekannt als Schweißfrieseln oder Isilik) gehören zu den häufigsten Hautproblemen bei Babys im Sommer. Wenn die Umgebungstemperatur steigt, beginnt der Körper zu schwitzen, um die Temperatur zu regulieren. Sind die Poren der intensiv arbeitenden Schweißdrüsen verstopft, entstehen kleine, stecknadelkopfgroße, rote Ausschläge auf der Haut.

Behandlung und Vorbeugung:

  • Senken Sie die Raumtemperatur, um das Schwitzen zu reduzieren.
  • Kleiden Sie das Baby in weite Baumwollkleidung.
  • Ein Bad mit lauwarmem Wasser hält die Poren offen.
  • Achtung: Das Auftragen von zähflüssigen, öligen Cremes oder Babyölen kann die Poren der Schweißdrüsen zusätzlich verstopfen und den Ausschlag verschlimmern. Verzichten Sie im Sommer auf solche Produkte im betroffenen Bereich.

4. Richtige Badegewohnheiten im Sommer

Normalerweise ist es ausreichend, ein Neugeborenes jeden zweiten Tag zu baden. An heißen Sommertagen sorgt ein tägliches Bad jedoch für spürbare Erleichterung und beugt Hitzepocken effektiv vor.

  • Verwendung von Reinigungsprodukten: Bei täglichem Baden ist der tägliche Einsatz von Seife oder Waschlotionen nicht ratsam, da diese die empfindliche Babyhaut austrocknen können. Ein tägliches Abduschen mit klarem Wasser reicht völlig aus. Waschsubstanzen sollten lediglich ein- bis zweimal pro Woche verwendet werden.
  • Produktwahl: Bevorzugen Sie flüssige Syndets (pH-hautneutrale Reinigungsprodukte) mit rückfettenden Eigenschaften gegenüber festen Seifenstücken. Bei trockener oder sich schuppender Haut empfiehlt sich nach dem Bad eine leicht einziehende, parabenfreie Lotion.

Sensible Pflege im Windelbereich

Im Sommer benötigt der Windelbereich besondere Aufmerksamkeit. Wechseln Sie die Windeln häufiger, sorgen Sie für eine gründliche Hygiene und tragen Sie nach jeder Reinigung eine geeignete Wundschutzcreme als hauchdünne Barriere auf.


5. Effektiver Hitzeschutz: Verhaltensregeln für den Sommer

  • Meiden Sie die Mittagssonne: Zwischen 10:00 Uhr und 16:00 Uhr sollten Babys niemals direkter Sonnenstrahlung ausgesetzt werden. Beachten Sie, dass sich diese Kernzeiten je nach Region und klimatischen Bedingungen verlängern können.
  • Keine Sonnencreme für Neugeborene: Der Einsatz von Sonnenschutzmitteln wird bei Neugeborenen nicht empfohlen. Halten Sie das Baby stattdessen konsequent im Schatten. Schützen Sie Kopf, Gesicht und Nacken mit einem Sonnenhut mit breiter Krempe und kleiden Sie den Körper in UV-schützende Kleidung.
  • Keine Sonnenbrillen: Das Tragen von Sonnenbrillen ist für Neugeborene ungeeignet.
  • Natürliche D-Vitamin-Synthese: Um die körpereigene Vitamin-D-Bildung über die Haut sicher anzuregen, reicht es aus, das Baby dreimal pro Woche für etwa 15 Minuten im Schatten oder bei milder Strahlung (z. B. gegen 10:00 Uhr morgens oder nach 16:00 Uhr nachmittags) auszuführen. Die Arme und Beine sollten dabei unbedeckt sein, während das Kind ein Baumwolltop trägt.
  • D-Vitamin-Gabe beibehalten: Die tägliche orale Verabreichung von 400 IE Vitamin D muss auch in den Sommermonaten lückenlos fortgesetzt werden.
  • Mythos Neugeborenengelbsucht: Die Praxis, ein Baby mit Neugeborenengelbsucht zur Therapie in die direkte Sonne zu legen, ist gefährlich und sollte insbesondere im Sommer strikt unterlassen werden.
  • Optimales Raumklima: Die ideale Raumtemperatur liegt bei 22–24 °C bei einer Luftfeuchtigkeit von 40–55 %.
  • Klimaanlagen und Ventilatoren: Der Einsatz von Klimageräten ist erlaubt, um die Raumtemperatur zu regulieren. Der Luftstrom darf jedoch niemals direkt auf das Baby gerichtet sein. Zudem ist eine regelmäßige Zufuhr von Frischluft durch Stoßlüften essenziell.

6. Schutz vor Mücken und Insekten

Insekten- und Mückenstiche können bei Neugeborenen zu heftigen allergischen Reaktionen führen. Um den Kontakt mit Schädlingen zu verhindern, sind Fliegengitter an den Fenstern, Moskitonetze über dem Babybett sowie Ultraschall-Insektenabwehrstecker die sicherste Wahl.

Wichtiger Warnhinweis: Insektenschutzsprays oder -lotionen, die direkt auf die Haut aufgetragen werden, sind für die empfindliche Haut von Neugeborenen absolut ungeeignet und dürfen nicht verwendet werden.

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