Muttermilch steigern durch Ernährung? Mythos und Wahrheit über milchbildende Lebensmittel

Auf der ganzen Welt gibt es traditionelle Hausmittel und Lebensmittel, von denen seit Generationen behauptet wird, dass sie die Muttermilchproduktion ankurbeln. Doch was sagt eigentlich die Wissenschaft dazu? Ayşegül Bahar, Ernährungsberaterin und Diätassistentin, klärt auf: Trotz zahlreicher Erfahrungsberichte ist die wissenschaftliche Datenlage zu sogenannten Galaktagoga (milchbildenden Mitteln) oft dünn und umstritten.

Wenn du das Gefühl hast, dass deine Milchmenge einen kleinen Anschub braucht, erfährst du hier, welche Lebensmittel einen Versuch wert sind – und was die Wissenschaft wirklich darüber weiß.

5 beliebte Lebensmittel zur Milchbildung im wissenschaftlichen Check

1. Bockshornklee (Fenugreek)

Bockshornklee wird in den Medien oft als das Wundermittel schlechthin gefeiert. Er enthält östrogenähnliche Pflanzenstoffe, die den Milchfluss anregen sollen.

  • Die Studienlage: Eine kleine Untersuchung zeigte, dass Frauen, die dreimal täglich Bockshornklee-Tee tranken, deutlich mehr Milch produzierten. In einer größeren Studie mit 1.200 Müttern, die täglich Kapseln mit 580 mg Bockshornklee-Pulver einnahmen, berichtete die Mehrheit innerhalb von 24 bis 72 Stunden von einer gesteigerten Milchmenge.
  • Die Kehrseite: Da die Beweise dennoch als begrenzt gelten, raten einige Kinderärzte zur Vorsicht. Zudem berichten manche Mütter, dass ihre Babys vermehrt unter Blähungen litten. Achtung: Bockshornklee kann Asthma-Symptome verschlimmern.

2. Haferflocken und Hafermilch

Hafer gehört zu den Klassikern in der Stillzeit. Der Grund dafür ist sein hoher Gehalt an Vollkorn-Nährstoffen und Eisen.

  • Die Fakten: Eine halbe Tasse trockene Haferflocken liefert fast 2 mg Eisen – das deckt rund 20 % des täglichen Bedarfs einer stillenden Mutter. Da bekannt ist, dass ein Eisenmangel die Milchbildung hemmen kann, ist Hafer eine sinnvolle Ergänzung. Direkt bewiesen wurde der milchsteigernde Effekt von Hafer durch spezifische Studien bisher allerdings nicht.

3. Fenchel

Fenchel ist – meistens als Fencheltee – der absolute Traditionshit für frischgebackene Mütter. Ähnlich wie der Bockshornklee enthält auch Fenchelsamen pflanzliche Östrogene.

  • Die Fakten: Einige klinische Beobachtungen deuten darauf hin, dass der Verzehr von Fenchelsamen sowohl das Milchvolumen als auch den Fettgehalt der Muttermilch positiv beeinflussen kann. Großflächige, repräsentative Studien fehlen jedoch auch hier.

4. Mageres rotes Fleisch und Geflügel

Da ein niedriger Eisenwert nachweislich mit einer geringeren Milchproduktion in Verbindung gebracht wird, spielt die Eisenzufuhr eine entscheidende Rolle.

  • Die Fakten: Mageres Rindfleisch, Lamm und Geflügel sind hervorragende, gut verfügbare Eisenquellen. Sie unterstützen den Körper der Mutter optimal bei der Regeneration nach der Geburt. Einen direkten, isolierten Beweis, dass Fleischkonsum die Milchmenge erhöht, gibt es wissenschaftlich gesehen jedoch nicht.

5. Knoblauch

Knoblauch gilt in vielen Kulturen als Geheimtipp für stillende Frauen.

  • Die Fakten: Eine interessante Studie zeigte, dass Babys länger und intensiver an der Brust tranken, wenn die Mutter zuvor Knoblauch gegessen hatte (da sich der Geschmack der Milch minimal verändert). Da häufiges und langes Saugen die natürliche Milchproduktion der Brust anregt, kann Knoblauch somit indirekt zu mehr Muttermilch führen.

Fazit: Höre auf deinen Körper und suche das Gespräch

Zusammenfassend lässt sich sagen: Es gibt zwar keine überwältigenden wissenschaftlichen Beweise dafür, dass man die Milchmenge allein durch bestimmte Lebensmittel drastisch steigern kann. Dennoch zeigen kleinere Studien und die Erfahrungen von Millionen Müttern, dass eine bewusste Auswahl bestimmter Zutaten durchaus eine positive Wirkung haben kann.

Wichtiger Hinweis: Wenn du ernsthafte Sorgen hast, dass dein Baby nicht satt wird oder deine Milch nicht ausreicht, sprich bitte immer zuerst mit deinem Frauenarzt, Kinderarzt oder einer Stillberaterin. Sie können die Situation medizinisch beurteilen, Ursachen für eine geringe Milchmenge identifizieren und dich und dein Baby optimal begleiten.

Schreibe einen Kommentar